Donaurun

Vortrag Eltern im Leistungssport

Die Frage nach dem Wofür

Oft ist es schwer den Wiedereinstieg ins Training zu realisieren. Die Tage werden kürzer, draußen wird es dunkel. Der Gedanke, sich in der Früh vor 6 Uhr aus dem Bett zu quälen, um z.B. ins kalte Wasser des Hallenbads zu springen tut bereits vor dem Einschlafen weh. Hat man es geschafft fühlt sich jeder Zug schwer an und es dauert erst einmal einige Meter, bis man sich gesammelt hat. Auch danach kommt man nicht so richtig in Schwung und am Ende ist man froh einfach den grünen Hacken im Trainingstool zu haben.  
Ich habe in meiner sportpsychologischen Arbeit von vielen Athleten, meist im ambitionierten Hobbybereich, ähnliche Beschreibungen gehört. Darüber hinaus kenn ich selbst genau solche Situationen sehr gut. 

Für Außenstehende ist dies oft sehr schwer greifbar. Auch im engeren Angehörigenkreis ist es oftmals nicht einfach zu verstehen, warum man in solcher Situation nicht sagt „morgen bleibt der Wecker aus, ich schlafe eine Stunde länger und mache vllt. abends noch 30 Minuten Sport auf den ich Lust habe“. 

Viele Athleten die diese Frage gestellt bekommen, unter anderem von mir, reagieren gereizt, gehen in den Modus der Rechtfertigung und kapseln sich in der Folge weiter in die „Sport-Bubble“ ab. Klar genug andere Gleichgesinnte, die in der Früh zum Schwimmen gehen und gerne über den Sport philosophieren gibt es ja. 
Trotzdem ist es an dieser Stelle essenziell, dass man sich mit der Frage nach dem Wofür beschäftigt. 
Viele werden, ohne lange zu überlegen einen Wettkampf nennen können für den sie sich in der Früh aus dem Bett quälen. Doch das Wofür dahinter fehlt oft. Klar kann man in der Folge sagen ich habe ein Ziel dieses will ich erreichen. Ich will schnell sein und das Maximum aus mir herausholen. Wenn man weiter zurück geht kann man sicherlich Motive finden, warum man sich dieses Ziel gesetzt hat. „Ich will wieder regelmäßig Sport machen“ oder der „Ich will einmal in meinem Leben einen Ironman finishen“ sind Antworten, die ich hier oft gehört habe. Bis hierhin alles gut, wichtig und auch richtig. Doch was oft nicht beantwortet werden kann ist die Frage nach dem tieferen Wofür. Ist es die Tatsache, dass man „einfach Spaß an der Bewegung hat“ oder dass der Sport „absolut erfüllend für mich ist und ich dadurch ausgeglichener bin“. 

Und genau diese Frage ist so wertvoll, wenn man sie für sich individuell und ehrlich beantwortet. 
Mit dem Wofür was über ein Wettkampfziel hinausgeht, fällt es viel leichter Entscheidungen zu treffen die mit dem Trainingsalltag zu tun haben. Lasse ich heute eine Einheit weg? Bin ich gerade faul oder geht es mir wirklich nicht gut? Stelle ich den Wecker oder schlafe ich morgen lieber eine Stunde länger? Sollte dein tieferes Wofür eines der beiden Beispiele von oben sein sollte es kein Problem sein sich für die zusätzliche Stunde zu entscheiden, oder? 
 
In der Theorie sicherlich ja, in der Praxis jedoch höre ich dennoch oft viele „abers“. Und genau diese machen oft verbissen, machen oft launisch, angespannt und in der Folge oft unglücklich. Wenn ihr mich fragt, alles Dinge die der Sport nicht erzeugen sollte. 

Ich sage nicht, dass man immer hochmotiviert mit dem Gedanken einschläft „geil, morgen früh ist wieder Schwimmtraining“ aber sobald man im Wasser ist sollte man Freude haben an dem was man tut. Wenn man mit fester Überzeug sagen kann, „klar ist es eine Überwindung in der früh ins kalte Wasser zu springen, aber es gleicht mich aus, macht mir Spaß und gibt mir ein Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein“, dann ist die Story richtig erzählt und für mich stimmig. 
Denn im Endeffekt geht es um folgendes. Ja, Ziele zu setzten und auf diese hinzuarbeiten ist sinnvoll und wichtig. Diese Ziele zu verfolgen, sich persönlich zu challangen und weiterzuentwickeln ist eine unglaublich großartige Möglichkeit. Doch verbissen einem Ziel hinterherzulaufen und auf das Optimum zu pochen schränkt die Lebensqualität doch sehr ein. Manchmal ist hier, auch wenn es der Trainer wahrscheinlich nicht gerne hört, im Sinne der langfristigen Zufriedenheit ein Achtzig-Zwanzig Ansatz der richtige. 

In meiner nächsten Podcast-Folge spreche ich mit Martin über genau dieses Thema um euch ein paar konkrete Tipps mit an die Hand zu geben.