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Bernhard - Donau run - Deutschland tour

11 Fragen zum Non-Stop Deutschland-Ride an Bernhard Resch

Bernhard, erst mal herzlichen Glückwunsch zu deiner krassen Leistung? Wie geht es dir körperlich und mental mit etwas Abstand zu deiner Fahrt?

Vielen Dank für die Glückwünsche 🙂

Körperlich und mental geht es mir wieder super. Jedoch hat die Tour für ein paar Wochen ihre Spuren hinterlassen und ich habe wirklich einige Zeit gebraucht, um wieder fit zu werden. Nach der Tour hatte ich ein paar körperliche Leiden und die Motivation wieder aufs Rad zu steigen, oder allgemein Sport zu machen, war fast bei null. Mittlerweile bin ich wieder so weit, dass 130 km mit 2500hm in den Bergen wieder richtig Spaß machen.

Jetzt mal ehrlich: Wie kommt man auf so eine Idee? Was war dein Antrieb?

Die Idee kam mir vor zwei Jahren. Nach meiner letzten Langdistanz konnte ich mich nicht für eine weitere Triathlonsaison motivieren. Ich wollt aber unbedingt ein neues Ziel finden. Nur das Ziel zu finden, war nicht so leicht. Ich bin früher schon öfter mit dem Rad durch Deutschland gefahren. Jedoch habe ich immer zwischen 3 und 10 Tagen gebraucht. Deshalb dachte ich mir die Tour in 2 Tagen zu fahren. Nach längerer Überlegung schien es mir aber schwieriger zu sein, zweimal 500 km zu fahren, anstatt 1000 km am Stück. Und so habe ich dann mein Ziel gefunden: „Non stop vom südlichsten zum nördlichsten Punkt (auf dem Festland) Deutschlands“ zu fahren. Und dieses neue Ziel zu erreichen, war dann auch mein Antrieb.

Erzähl uns doch auch mal, was im Vorfeld alles geplant werden musste. Wie sieht die Logistik hinter so einem Projekt aus?

Es war klar, wenn ich das Projekt unter 48h schaffen möchte, ist das ohne Team und Plan nicht zu schaffen.

Mein theoretischer Plan sah dann relativ leicht aus: Ich bereite mich zwei Jahre vor. Lasse mich von einem erfahrenen Trainer für Langstreckenradeln trainieren. Mache einen Probelauf bei einem 24h Stunden Rennen. Stelle mir ein Supportteam zusammen und fahre dann durch Deutschland. So die Theorie.

Leider bin ich dann schon an meinem zweiten Punkt der Trainer Suche gescheitert,

da die Trainer, die in Frage kamen, leider keine Kapazität mehr frei hatten. Deshalb habe ich mich entschieden, die Erfahrungen, die ich als Triathlet im Training für Langdistanzen sammeln konnte, auf das Radtraining anzupassen. Als nächstes musste ich dann an meiner Ernährung während der Tour arbeiten. Ich habe festgesellt, dass meine Ernährung für ein so langes Vorhaben nicht wie beim Triathlon 1:1 umsetzbar ist. Nach einigen Testfahrten über 200km habe ich dann herausgefunden, wie ich mich zu ernähren habe. Beim 24h Rennen in Kelheim konnte ich dann ausprobieren, ob mein Ziel realistisch ist und mein Training samt meiner „neuen“ Ernährung während der Belastung funktioniert. Ich habe bei dem 24h Rennen 688km geschafft. Somit stand fest, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Aus dem Rennen konnte ich auch eine neue Motivation für die nächsten 12 Trainingsmonate schöpfen. Nun ging es darum, ein genaues Datum für die Tour festzulegen und ein Team zu finden, damit ich die genauere Planung machen kann. Wichtig bei dem Team war mir, dass ich mich 100% auf die Leute verlassen kann und die auch 100%  hinter dem Projekt stehen. Zum Glück war das nicht schwer und das Team stand dann mit meiner Freundin Martha, meinem Bruder Martin und meinem Kumpel Markus schnell fest. Die Supporter haben wir dann wie folgt eingeteilt. Martha war für die Navigation zuständig. Markus hat die Versorgung und den technischen Support geleitet und Martin hat mich etappenweise auf der Strecke begleitet. Auch die Strecke stand dank Komoot gleich fest. Die logistische Herausforderung bestand nun darin, 3 Supporter, 6 Kästen Getränke, Verpflegung und Ersatzmaterial/Rad griffbereit in meinem Auto unterzubringen, um mich auf der Strecke dementsprechend zu versorgen. Nicht zu vergessen unser normales Gepäck, das hier auch noch dazukam. Nun musste ich für mich noch klären, in welchen Etappen ich die Versorgungsstopps aufteilen möchte. Ich habe mich dafür entschieden, dass wir uns alles 40km auf der Strecke zum verpflegen treffen. Während der Tour mussten wir auf Grund der Wetterbedingungen die Strategie etwas ändern. Aber es hat trotzdem noch super funktioniert.

Zur Fahrt selbst: Nimm uns mal mit rein in den Start und die ersten Kilometer?

Ehrlich gesagt war ich brutal aufgeregt. Schließlich habe ich zwei Jahre auf diesen Tag hintrainiert und mein Team hat sich extra den Urlaub so eingerichtet, um mich zu unterstützen. Es war aber trotzdem ein traumhafter Start. Ich bin um 6:40 Uhr bei strahlend blauem Himmel und vor einem Bergpanorama südlich von Oberstdorf gestartet. Die Aufregung hat sich dann gelegt als ich im Sattel saß und die Freude auf das Abenteuer war da. Nach 40 km kam ein Kumpel mit auf die Stecke und bei km 80 kam noch ein weiterer Kumpel für weitere 40 km hinzu. So konnte ich super meinen Rhythmus finden und kam richtig gut in Fahrt.

Was passiert in der Mitte von Deutschland?

Bei der Mitte von Deutschland habe ich ca. 500 km hinter mich gebracht und es war ca. 4 Uhr morgens. Abgesehen von den ersten 150km war das der schönste Teil der Tour. Da es tagsüber 36 Grad hatte, war es dann in der Nacht richtig angenehm zum Fahren und ich konnte mich trotz der hügeligen Stecke gut von der Hitze erholen. Lediglich die Dunkelheit war anstrengen, da man sich doch wesentlich mehr konzentrieren muss und man trotz der Beleuchtung den Weg nicht so gut erkennen kann wie bei Tageslicht. Was mich gewundert hat ist, dass ich während der Nacht keine Müdigkeit verspürte.

Und dann im hohen Norden – warst du immer noch fit?

Erstaunlicherweise war ich tatsächlich immer noch fit. Ich hatte zwar mittlerweile ein paar Blessuren, aber muskulär habe ich mich während der Fahrt noch gut gefühlt. Das hat sich nach der Dusche im Hotel dann aber ganz schnell geändert 😉

Du hattest phasenweise Mitfahrer aber jetzt das großer Aber… Was denkt man wenn man komplett allein für sich fährt?

Während den Etappen, die ich alleine gefahren bin, bin ich zum Glück nicht viel zum Denken gekommen. Ich war irgendwie immer mit mir selbst beschäftigt. Ich habe immer versucht auf mein Körpergefühl zu achten, wie z.B. passt die Sitzposition auf dem Rad, soll ich eine höhere Frequenz treten oder einen schweren Gang fahren, soll ich mich jetzt schon abkühlen oder soll ich doch jetzt schon was trinken und etwas essen usw. . Ich war auch gut mit der Navigation abgelenkt, da ich doch auf vielen Nebenstraßen unterwegs war.  Außerdem waren meine Gedanken auch ständig auf den übernächsten Stopp gerichtet, damit ich Markus sagen konnte, was ich als nächstes benötige, wie z.B. Radcheck, Eiswürfel zum Kühlen, bestimmte Getränke  oder welche Riegel er mir dann vorbereiten soll.

Natürlich hat diese Ablenkung nicht immer funktioniert und ich hatte doch ab und zu den Gedanken „verdammt ich kann nicht mehr“. Dann kam aber auch der Gedanke „nur noch 20km bis zur nächsten Etappe, bei der wir wieder zu zweit sind “ und weiter geht’s.

Was war dein Highlight während der Tour?

Das Highlight waren die letzten 50km. Es war echt traumhaft zum Fahren. Es war ein sterneklarer Himmel, fast windstill und bretterl eben und ich wusste, jetzt habe ich es geschafft.

Was war der Tiefpunkt?

Ich hatte zwei richtige Tiefpunkte, bei denen ich gedacht habe, dass das Projekt doch in die Hose geht. Ich bin ja super durch die Nacht gekommen, aber das hat sich dann mittags so gegen 13 Uhr gerächt. Ich war so müde, dass ich überlegt habe einfach anzuhalten und irgendwie zu schlafen. Meine Befürchtung war dann aber, dass ich nicht mehr auf die Beine komme. Also habe ich mich dagegen entschieden und bin einfach im Halbschlaf weitergefahren. Dieses Tief ging so zwei Stunden und dann war die Müdigkeit von einem auf den andern Augenblick weg.  Den zweiten Tiefpunkt hatte ich nach 800 km. Dort kam einfach alles zusammen. Es hat richtig fest zum Regnen angefangen und Gegenwind kam auch noch hinzu. Dann habe ich mir einen Platten gefahren und eine Umleitung von 10 km kam auch noch dazu. Da war ich mental dann echt so weit, dass die Gedanken aufkamen, irgendetwas kommt jetzt noch, dass ich an meinem Ziel nicht ankomme. Zum Glück war es doch nicht so  

Kannst du deine Gefühle im Ziel in Worte fassen?

Das Gefühl ist echt unbeschreiblich und nur schwer in Worte zu fassen, aber ich glaube, jeder, der sich schon mal ein Ziel gesetzt und erreicht hat, weiß, wie geil dieses Gefühl ist. Dieses Gefühl ist unabhängig davon, ob ich über 1000km geschafft habe oder ein Sportanfänger seinen ersten Halbmarathon in seiner Zielzeit erreicht hat. So wirklich begreifen kann man das aber alles erst nach einer gewissen Zeit.

Nach so einem Projekt – was kommt da als nächstes? 😉

Sportlich gesehen habe ich noch kein großes Projekt im Kopf. Bei mir steht privat die ein oder andere Veränderung an und ich werde das erst einmal als mein bzw. unser „Projekt“ bezeichnen. Ich werde mich aber nächstes Jahr wieder dem Triathlon widmen, bis ich dann wieder ein neues Ziel gefunden habe.