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Sebi – Der Kalender ist zu leer

Sebi – Der Kalender ist zu leer

Ich bin ein Offline-Kalender-Typ.

Ich habe gerne etwas vor mir liegen, wo ich farbig Termine markieren kann. Mir taugt es, Zahlen dazu zu nehmen, die mir zeigen, wie viele Wochen es noch bis XY sind. Abwesenheiten werden mit Textmarker herausgestellt. Kleine Aufkleber mit diversen Symbolen (Flugzeug, Pfeile etc.) finden sich ebenfalls immer wieder. Schön bunt, schön strukturiert, das gibt mir immer wieder Antrieb, wenn ich draufschaue.

Es ist Mitte Dezember…

… und alle meine Athleten planen das neue Jahr: Wettkämpfe raussuchen, anmelden und Ziele setzen. Ich spüre eine große Vorfreude auf die kommende Zeit. Die Motivation ist groß. Die große Frage ist: Was mache ich? Ich betreue diesen Prozess mit. Gebe Input, was passt und was nicht. Ich freue mich darüber, dass ich so viele verschiedene Sportler auf ihrem Weg begleiten darf. Bei vielen von ihnen ist die positive Anspannung zu spüren, und das ist extrem ansteckend.

Und was mache ich nicht?

Mich anmelden. Konkrete Pläne. Kalender befüllen mit Trainingslagern und Wettkämpfen. Vorfreude aufkommen lassen und Bock auf die neue Saison haben. Besonders unangenehm war der 01.12. An diesem Tag öffneten die Anmeldeportale für den Triathlon und den Jubiläums-Halbmarathon hier in Ingolstadt. Beide Rennen sind für mich Herzensangelegenheiten und wichtige Events. Ich stehe aktuell in keiner Startliste.

An Heiligabend sind es genau zwei Monate seit der Diagnose „Stressfraktur im osilium“. Nächste Woche habe ich das erste Kontroll-MRT. Das ist ein wichtiger Termin, denn dann weiß ich zum ersten Mal, wie sich der Heilungsverlauf entwickelt. Aktuell steht auf meinem Trainingsprogramm lediglich Schwimmen, damit ich mich fit halten kann. Das ist aber nicht der einzige Grund: Es hilft mir dabei, mich gerade nicht verloren zu fühlen. Da ich im Moment noch nicht weiß, wie der Stand in der Hüfte ist, hänge ich in der Luft. Ich mache eben keine Pläne und schaue anderen nur dabei zu…

Aber: Ich habe auf keinen Fall aufgegeben.

Es gibt vage Ideen. Nur merke ich, wie ich mich noch nicht ganz traue, diese konkreter werden zu lassen. Dazu fehlt das Wissen, dass es wirklich besser wird. Aber das Vertrauen ist da und die positive Grundhaltung ebenfalls.

Es wirkt weit weg, aber ich verliere mein Ziel nicht aus den Augen. 2021 möchte ich an der Startlinie stehen auf Big Island. Und gerade hilft mir auch ein Gedanke: Ich freue mich unglaublich darauf, wieder Pläne zu schmieden, Wettkämpfe rauszusuchen, mich anzumelden und den Kalender bunt zu bepinseln – aktuell ist er einfach zu leer.