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Endlich wieder Triathlon - Rennbericht München Triathlon

Endlich wieder Triathlon

Katrin und Sebi waren am Sonntag beim 3muc Triathlon an der Regattastrecke in Oberschleißheim über die olympische Distanz am Start – in ihrem Blogartikel berichten die beiden von ihren Erfahrungen rund um das erste Rennen der Saison.

Vorbereiten: Das Training.

Katrin: Bis Mitte Juli hatte ich noch auf meine erste Mitteldistanz trainiert – dann kam wenige Wochen vorm Wettkampf doch noch die Absage. Ich hatte mich danach mit Sebi zusammen darauf geeinigt, moderat weiter zu trainieren und möglichst viel von der guten Form zu einem möglichen Halbmarathon oder über den Winter zu retten. Dass in der Saison tatsächlich noch ein Triathlon stattfinden würde, glaubte ich lange nicht. Bis zwei Wochen vorher das Hygienekonzept stand und ich mich guten Gewissens anmelden konnte. Doch die eigene Leistungsfähigkeit einzuschätzen war kein leichtes, schließlich war das Training bis dato eher auf einen doppelt so langen Wettkampf ausgelegt. Also haben wir nur noch ein paar knackigere kurze Läufe dazwischengeschoben und eine Alibi-Koppeleinheit. Der Rest würde sich dann Dank Pulsmessung schon regeln lassen.

Sebi: Das Training lief in den letzten Wochen sehr gut. Ich habe quasi alles erfüllen können, was Julia mir vorgegeben hatte. Es war immer geprägt von Qualität und gar nicht so übermäßigen Umfängen. Alles inklusive habe ich wohl so um die 20-22h pro Woche trainiert. Ich habe mich bereit gefühlt, mal wieder alle 3 Sportarten hintereinander zu testen. Trotzdem fiel es mir schwer mich selbst einzuschätzen, als am Dienstag bei der Laufvorbelastung stand: „Überleg dir mal vorher was du am Wochenende laufen willst.“ Die längste Einheit davor beim Laufen waren 5x3min @3:10. So konnte ich eigentlich gar nicht ehrlich abschätzen was ich drauf hatte. Aber es lief wie erwähnt gut. Ich habe mich im Training zuletzt oft vom Gefühl leiten lassen – dass war auch mein Plan für den Wettkampf.

Packen: Die Vorbereitung.

Katrin: Ich hatte Respekt vor einem Geisterwettkampf unter Pandemie-Bedingungen: Wie ist die Stimmung ohne Zuschauer? Klappen alle Abläufe vor Ort unter Einhaltung der Bestimmungen? Und noch mehr: Kann ich mich an die beachtliche Liste von Corona-Vorgaben des Veranstalters halten? Denn ein Großteil der Vorbereitung bestand tatsächlich daraus, Checklisten und Mails zu Abständen und Ablaufpläne zu lesen, zu verstehen und halbwegs zu verinnerlichen: Wo trägt man die Maske, wann darf wie gestartet werden, welche Abstände sind während des Wettkampfs zu halten, welche Verpflegung gibt’s… (by the way: keine – auch eine neue Erfahrung) Schließlich will man nicht genau der Sportler sein, der anderen Athleten durch eine Dummheit die Veranstaltung trübt. Und nachdem ich Sebis Packliste abgearbeitet habe, ist mir wieder aufgefallen, welch eine Materialschlacht Triathlon eigentlich ist. Doch spätestens als ich meine Trinkflaschen in den Kühlschrank gestellt habe, war die Vorfreude auf den nächsten Tag aber riesengroß.

Sebi: Ich habe erst mal meine alte Packliste raus geholt um auf Nummer sicher zu gehen. Es war ziemlich genau ein Jahr her, dass ich in München mein letztes Rennen gemacht habe. Also erst mal Glücksstartnummernband suchen, alles rauslegen und in die passenden Beutel packen, Katrins und mein Rad in den Bus packen. Dazu dann am Vorabend die Standard-Pasta mit grünem Pesto und Parmesan. Wie immer eben vor einem Wettkampf. Ich war in den Tagen vorher schon ein paar Mal etwas nervös. Aber gewisse Routinen waren immer noch da und haben mir dabei geholfen, halbwegs entspannt und ruhig zu bleiben.

Abliefern: Der race day.

Katrin: Irgendwie war dann doch alles wie immer: Superfrüh aufstehen, sich ein halbwegs ordentliches Frühstück reinpressen, eine Anreise mit nervösen und vorfreudigen Gesprächen, vorm Start eine Toilettenschlange und Durchsagen, dass die Startnummer xy doch bitte ihr Rad richtig herum in die Wechselzone hängen soll. Dann kam für mich eine ganz neue Erfahrung: ein Rolling Start in relativ kleinen Startgruppen von circa 75 Leuten. Dem kann ich für die Zukunft echt etwas abgewinnen: Ich konnte ungestört ins Wasser springen und in meinem Tempo los, ganz ohne Nahkampf und Gliedmaßen im Gesicht! Auch ohne direkte Konkurrenz war meine Schwimmzeit ordentlich. Fazit erste Disziplin: So könnten wir das öfter machen. Insgesamt war es dank dieses Startmodus einfacher, im Rennen auf sich und nur auf sich zu hören (mangels Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes). Ich habe nach dem Schwimmen einfach alles heruntergespult, so wie ich mich wohlgefühlt habe, ohne auf die Konkurrenz zu achten, denn deren Position konnte man eh nicht einsortieren. Das war eine ganz neue Erfahrung, denn eigentlich liebe ich Veranstaltungen mit Zuschauermassen und ausgelassener Stimmung. Und siehe da: auch das hat auf seine besondere Art Spaß gemacht.

Sebi: Und da war es wieder. Das Kribbeln am Rennmorgen wenn der Wecker klingelt und du weißt, dass race day ist. Die Anreise nach München war sehr entspannt und auch vor Ort war wegen des kleinen Teilnehmerfeldes (300 Starter und keine Zuschauer erlaubt) relativ ruhige Stimmung. Und dann endlich das altbekannte Prozedere. Startunterlagen abholen, Rad fertig machen, Einchecken in die Wechselzone, Schwimmutensilien rauslegen, warmlaufen. Ich hatte das Glück (zumindest für mich), dass die Mädels zuerst gestartet sind und ich mir so auch das Startprozedere und den Ablauf im 1. Startblock in Ruhe ansehen konnte. Für mich ging es irgendwo in der Mitte des Startblocks 2 ins Rennen. Als Einzelstart. So wussten wir während des Rennens eigentlich nie, wo man liegt. Das war durchaus ein neues Triathlon-Erlebnis. Es hat mir aber auch geholfen bei mir und meinem Rennen zu bleiben. An dieser Stelle möchte ich meinen Dank aussprechen an die Organisatoren und alle Helfer der Veranstaltung – Hut ab, dass ihr das auf die Beine gestellt habt.

Nachdenken: Das Fazit.

Katrin: Jetzt weiß ich wieder, warum ich diesen Sport eigentlich mache. Die Veranstalter haben es geschafft, der Veranstaltung eine ganz eigene, fast demütige Stimmung zu verleihen und irgendwie färbte das auch auf die Sportler ab. Selten habe ich so einen fairen Wettkampf erlebt. Danke an 3MUC, dass ihr sowas in diesen Zeiten auf die Beine gestellt habt. Mit meiner Leistung war ich auch sehr zufrieden: In einem sehr ausgewogenen Rennen bin ich zum ersten Mal beim Radfahren nicht allen anderen komplett hinterhergeradelt und habe mich über eine neue Bestzeit über die Olympische Distanz richtig gefreut. Ein kleiner Höhepunkt zum Abschluss einer Saison, die bisher nur Tiefebenen zu bieten hatte. Anstatt ein Finisher-Shirt gab es übrigens eine Finisher-Mund-und-Nasen-Maske für alle Teilnehmer. Ich werde sie gerne tragen.

Sebi: Im Ziel wusste ich nicht, wie mein Rennen in der Gesamtwertung einzuordnen ist. Es gab keine aktualisierten Listen und auch keine Siegerehrung. Als Katrin mir auf der Heimfahrt gesagt hat, dass ich bin Zweiter geworden, war die innere Freude sehr, sehr groß! Beim Schwimmen hatte ich noch etwas zu kämpfen gehabt, auf dem Rad wusste ich einfach nicht, was ich treten soll und kann, damit ich danach noch ordentlich laufen kann. Ich hatte keinen Koppellauf gemacht seit einem Jahr. Umso mehr freut es mich, dass ich in meiner Paradedisziplin eine für mich so tolle Leistung abrufen konnte. Ich habe mich einfach in einen positiven Rausch gelaufen und das umgesetzt, was mir mein Körper an dem Tag gegeben hat. Ich war wirklich happy. Zum einen, dass uns noch ein Wettkampf vergönnt war bei dem man einige alte bekannte Gesichter begrüßen konnte und zum anderen, dass es wieder läuft.

Träumen: Der Ausblick.

Katrin: So schnell wie die „Wettkampfsaison“ da war, ist sie auch schon wieder weg- fast wie eine klitzekleine Zeitreise in eine Zeit ohne Pandemie. Jetzt ist erstmal durchatmen und Urlaub machen angesagt. Danach packe ich das Projekt Mitteldistanz von Neuem an- dass es auch unter besonderen Bedingungen möglich ist, einen ordentlichen Triathlon zu organisieren, hat uns dieses kleine Organisatorenteam bewiesen. Es wäre doch verwunderlich, wenn das „die Großen“ im Triathlonzirkus das nicht auch hinbekommen – sofern sie es denn möchten. Ich hoffe fürs neue Jahr einfach das Beste und freue mich nach der Pause darauf, mich mit Sebi hinzusetzen und neue Pläne zu schmieden.

Sebi: Schade eigentlich, dass es schon Spätsommer ist. Ich starte noch in Waldmünchen und das war es dann voraussichtlich für dieses Jahr auch schon wieder. Gerade jetzt wo ich sehe, dass die ersten Impulse von meiner Trainerin gut anschlagen, machen wir quasi schon Saisonpause. Aber so ist eben die aktuelle Situation und ich will mich darüber auch gar nicht beklagen, auch wenn es eben schade ist. Aber ich kann euch eines sagen: Die Lust ist sowas von zurück. Die Motivation, weiter zu arbeiten und noch viel besser zu werden brennt. Und ich habe das Vertrauen in mein Team, dass wir es zusammen schaffen, dass es nächstes Jahr scheppert. Ich habe Bock und will weiter alles dafür tun dass ich bald schreiben kann: Kona calling!