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Der Schwamm und die Blase

Der Schwamm und die Blase

In diesem Text geht es um einen Schwamm und eine Blase. Ohne jetzt direkt weiterzulesen machen wir ein kurzes Experiment: Lass deine Gedanken kreisen und denke an ein Szenario, dass zu diesen beiden Wörtern passt. Ich glaube ihr kommt nicht drauf. 

Ein kleiner zeitlicher Sprung. Es ist Freitag der 03. Mai, der Tag vor dem Halbmarathon in Ingolstadt. Ich habe meine Mutter gebeten, mir meine Startunterlagen abzuholen, da sie ohnehin in die Saturn Arena fährt. Soweit so gut. Ich nehme am Abend die blaue Odlo-Tasche entgegen, die es gefühlt seit Jahren gibt. Zuhause angekommen, drehe ich den Beutel um und schütte etwas ungeduldig den Inhalt auf den Boden. 

Heraus fallen folgende Dinge: Startnummer, Urkunde zum Selbstdruck, Aufkleber, einiges an Werbematerialien und: ein Schwamm. Der erste Punkt aus der Überschrift. Aha!

Kurz zum Hintergrund: Im letzten Jahr haben sich die Organisatoren der Veranstaltung, Roland Knoll und Roland Muck, dazu entschieden, Schwämme von den Versorgungsstationen zu verbannen. Jede Läuferin und jeder Läufer erhält einen Schwamm mit seinen Unterlagen, den er oder sie im Rennen vom Start weg mitführen muss und ihn dann selbst an den Stationen in Wasserwannen eintunken kann. In diesem Jahr wurde die Initiative fortgeführt. 

Als Hauptgrund wird angeführt, dass man das Ziel habe, den Müll bei den Veranstaltungen zu reduzieren und im Sinne einer nachhaltigen Ausrichtung sollte dies ein erster Schritt sein.

Wir springen wieder in den Mai 2019. Der Tag nach dem Rennen. Ich bin sportlich enttäuscht, weil ich das Rennen endlich mal gewinnen will. Es waren zwei turbulente Wochen, in denen sich alles um den Sport gedreht hat. Werde ich meine Erkältung in den Griff bekommen und viel wichtiger die Hüfte? Hier zum Spezial-Doc, dort zu Behandlung, Telefonat mit dem Sportpsychologen und unzählige Runden mit meinem Team und der Familie, ob ich starten soll oder nicht. 

Es ist der Tag nach dem Lauf und ich räume mein Zeug auf. Da fällt mir der Schwamm wieder ins Auge. Ich habe ihn gestern, bei geschmeidigen 5-6 Grad, natürlich nicht gebraucht. 

Ich fange an darüber nachzudenken, was der Sinn des Schwamms ist und warum jeder nur einen bekommt. Es geht dabei irgendwie auch um Umweltschutz. Nachhaltigkeit. Verantwortung. Andere Menschen. Ohne jetzt auf das Gedankenwirrwarrgenau einzugehen merke ich auf einmal, wie krass ich die letzten zwei Wochen mal wieder in einer Blase gehangen bin. Punkt zwei der Überschrift. Ich habe mich nur in meinem Mirko Universum bewegt. Klar, als Profi habe ich mich dazu entschieden, den Sport in den Mittelpunkt zu rücken. Aber ich merke, dass ich nicht alles um mich herum ausblende kann und darf. Zum Beispiel, was die Probleme von anderen und der Welt angeht. Das bin nicht ich und trotzdem ist es passiert.

Ein kleiner Schwamm hat mir einen „Wachrüttler“ gegeben. Ich möchte mich wieder mehr mit Themen um mich herum beschäftigen. Es geht dabei nicht primär um ein bestimmtes Thema, sondern um eine neue Perspektive. Ich möchte wieder wacher und präsenter durch die Welt gehen. Der Sport ist sehr, sehr wichtig für mich. Aber am Ende gibt es noch viele andere Dinge, die genauso wichtig sind. Diesen möchte ich wieder Platz geben und mich mit ihnen beschäftigen. Danke lieber Schwamm! 😉