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Sebi bloggt: Warum ich den Baggersee immer links rum laufe

Sebi bloggt: Warum ich den Baggersee immer links rum laufe

Der Baggersee in Ingolstadt. Anlaufstelle für unzählige Läufer. Austragungsort des Triathlons. Naherholungsgebiet. Platz zum Chillen und Grillen. Aber auch ein Ort an dem zu viel Müll liegt – hat zwar nichts mit dem Thema zu tun aber nehmt euren fucking Müll wieder mit Leute. Sorry für die Wortwahl aber das muss einfach nicht sein. Und ein Ort für Kontroversen. Vor einiger Zeit ist bei uns die Diskussion entbrannt, in welcher Richtung man denn als Läufer den See eigentlich läuft. Im Uhrzeigersinn oder gegen? Im Wechsel? Hier ein Plädoyer von mir, warum ich ausschließlich links rum (im Gegenuhrzeigersinn) laufe.

1.) Es ist zunächst mal ganz einfach – ich bin beim Sport ein brutales „Gewohnheitstier“.

Klar, die Natur ist ein Aspekt, den auch ich erkenne und es gibt wunderschöne Landschaften, die erkundet werden wollen. Es würde mir aber ehrlicherweise auch reichen, wenn ich für jede meiner Sportarten genau eine Trainingsstrecke zur Verfügung habe 😉 Ich weiß, was mich erwartet und ich kann mich auf meine Inhalte konzentrieren. Deshalb immer links rum.

2.) Du weißt, was dich erwartet.

Ich kann euch genau sagen, wie lange ich von der kleinen Brücke bis zum Beachplatz brauche beim Dauerlauf. Ich weiß, wo Kilometer-/2km-Intervalle sind, wenn ich beim „Tor der Hölle starte“ (zwei Bäume bei der scharfen 90-Grad-rechts-Kurve nach den Beachplätzen). Ich weiß, wie lange ich zum Wasserspender brauche und wo ich den Tempodauerlauf starten muss, um in einer Pause genau dort raus zu kommen. Ich kann meine Zeiten sofort vergleichen und weiß wie ich unterwegs bin. Noch mehr Beispiele? Deshalb immer links rum.

3.) Im Gegenuhrzeigersinn bedeutet:

Laufrichtung wie beim Ingolstädter Triathlon. Ein bekanntes Gefühl. Der Wettkampf hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Einige Runden im Rennen in den vergangenen Jahren waren sehr emotional. An vielen Stellen wird man vom Heimpublikum gepusht. Hier werden außerdem die Punkte 1. und 2. relevant. Ich weiß genau, wie lange es noch ins Ziel ist etc. Und wenn ich im Training in der gleichen Richtung unterwegs bin, kann ich mich mental so richtig aufheizen, in Wettkampfsituationen einfühlen, visualisieren und reinsteigern, wie ich hier oder sonst wo auf der Welt ein geiles Rennen auf die Kieselsteine brenne. Nur fliegen muss schöner sein. Deshalb immer links rum.

4.) Ich bin nicht allein.

Mein Gefühl beim Laufen um den See sagt mir, dass ich mehr Läufer überhole als mir entgegenkommen. Das zeigt mir, dass ich in guter Gesellschaft bin und es nicht nur mir so geht. Instinktiv wollen wir doch alle lieber links rum laufen oder? Versteht mich nicht falsch: Auch ich habe es schon gewagt und habe die Laufrichtung umgedreht. Aber es fühlt sich einfach nicht richtig an. Der Baggersee ist ein Linksdreher. Klar, deshalb natürlich links rum.

5.) Der Flow.

Da ich genau weiß, welche Stimuli mich erwarten, wie die Szenerie aussieht und nicht mehr groß über äußere Reize nachdenken muss, laufe ich da wie im Nirvana um den See. Ich bin präsent und tauche völlig in den Moment ab. Ungelogen: Ich könnte mir um den Baggersee auch einen Marathon super vorstellen. Ich werde eins mit der Runde, dem See. Ich bin im Flow. Deshalb immer links rum.

Bevor ich jetzt dann in die Welt der seichten Argumente abtauche, stoppe ich an dieser Stelle. Wie sieht es aus Ingolstadt? Rechts oder links um den Baggersee? Discuss! Und vor allem: Genießt das Laufen, egal in welcher Richtung 😉